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Köln hat eine Pinge
Von geheimen preußischen Festungs-Hohlgängen, U-Bahn-Tunneln, NATO-Bunkern, Völkerrechtsbrüchen und Historischen Stadtarchiven
Johannes Könen
Brühl (Rheinland), 6. Juni 2009
Einführung – Der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln
Am 3. März 2009 stürzte gegen 14:00 Uhr der 21,4 m hohe, 48,8 m breite, und 16 m tiefe Magazinbau des Historischen Archivs der Stadt Köln an der Severinstraße 222-228 mit einer Lagerfläche von 6.000 m² (Historisches Archiv der Stadt Köln, 2007, S. 84; Literaturhinweise und Abbildungen im Anhang) nebst den beiden angrenzenden Mietshäusern in sich zusammen (Innenministerium Nordrhein-Westfalen, 2009; „Kölner Stadtarchiv eingestürzt“, 2009; „Stadtarchiveinsturz in Köln“, 2009). Kurz vor dem Einsturz des sechsstöckigen, 1971 fertiggestellten Stadtarchivgebäudes (Historisches Archiv der Stadt Köln, 2007, S. 84) gelang es zwei Bauarbeitern, die derzeit spurlos verschwunden zu sein scheinen, die anwesenden Personen zu warnen. Ein 17-Jähriger und ein 24-Jähriger aus dem Wohnhaus Nr. 230 lagen tot in den Trümmern. Beide Personen befanden sich im Dachgeschoss. Von den Bewohnern, deren Häuser mitsamt Hab und Gut zerstört wurden, beging eine 84-Jährige schließlich Selbstmord (Taab, 2009). Vor diesem Hintergrund kann nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden.
Gegenwärtig wurde im Bereich Severinstraße die Nord-Süd-U-Bahn von der Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) im Schildvortrieb gebaut. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ereignete sich ein Tagesbruch unterhalb des Archivs und erzeugte eine Pinge (bergmännisch: Krater). Annähernd 1.000 m³ Beton wurden zur Sicherung der Unglücksstelle verbraucht („Kölner Stadtarchiv eingestürzt: Spürhunde schlagen an“, 2009), wobei niemand so recht weiß, wohin diese Mengen geflossen sind.
Von den teils in die U-Bahn-Baugrube vor dem Gebäudekomplex gestürzten Archivalien konnten bislang 85 % der insgesamt 30 Regalkilometer (Historisches Archiv der Stadt Köln, 2007, S. 84) geborgen werden („Fast alles kann geborgen werden“, 2009). Das Kölner Stadtarchiv umfasst 65.000 Urkunden, 104.000 Karten, eine halbe Million Fotos sowie zahlreiche Nachlässe, wie derjenige von Heinrich Böll bzw. Jacques Offenbach („Stadtarchiveinsturz in Köln“, 2009). Zehntausende und Hunderttausende Schriftzeugnisse scheinen für immer verloren. Bereits vor dem Einsturz wurde von einem ehemaligen Abteilungsleiter im Hinblick auf bedenkliche Risse im Gebäude gewarnt (Imdahl, 2009).
Hierbei fällt auf, dass es beim Bau der Nord-Süd-Stadtbahn lediglich zwei gravierende Zwischenfälle gab, die beide – zufällig oder nicht – auf derselben Straßenseite der Severinstraße zu lokalisieren sind: Zunächst der sich neigende Kirchturm von St. Johann Baptist im Jahre 2004 („Einsturzalarm am Rhein“, 2004) sowie der Einsturz des Historischen Archivs zirka fünf Jahre später. Hier muss es zwingend eine Gemeinsamkeit geben, denn wesentlich unsichere Baugrundbereiche mit teils 13 m mächtigen archäologischen Schichten blieben bislang ohne die geringsten Auffälligkeiten.
Nicht ohne Grund halten sich sehr hartnäckig fundierte Gerüchte, dass die Preußen seinerzeit das im 19. Jahrhundert und angehenden 20. Jahrhundert zur riesigen Festung ausgebaute Köln untertunnelten (vgl. Abb. 1). Bezeichnenderweise lag unmittelbar gegenüber des eingestürzten Mietshauses Nr. 230 die in industriellem Maßstab betriebene Garnisonsbäckerei (Abb. 2; Abb. 4 und 5; „PLAN VON COELN, 1860“, „PLAN VON KÖLN UND UMGEBUNG 1909“) zur Versorgung von 52.000 Soldaten (in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schätzt man zunächst 10.000-12.000 Mann; bis zum Ersten Weltkrieg waren fünf Regimenter, drei Bataillone und mehrere Spezialkompanien stationiert (vgl. Jansen et al., 2003, S. 100)). Weiter südlich, zwischen Severinstraße, Josephstraße und Ulrichgasse, befand sich das riesige Proviantmagazin der Festung Köln (Abb. 3; Abb. 4 und 5; „PLAN VON COELN, 1860“, „PLAN VON KÖLN UND UMGEBUNG 1909“), welches lange Zeit als alleiniges Lager genutzt wurde.
Ein Festungsstollen (fachsprachlich: Hohlgang), welcher aus Richtung Innenstadt unter der Kirche St. Georg kommend unmittelbar unterhalb des eingestürzten Magazinbaus des Historischen Archivs und vor den Fundamenten des Kirchturms von St. Johann Baptist zu den äußeren Festungsgürteln verlief, ist hierbei als sehr wahrscheinliche Ursache anzusprechen (vgl. Abb. 1). Die einzelnen militärischen Gebäudekomplexe der Preußen wurden entsprechend durch im 90-Grad-Winkel vom Hauptstollen abzweigende Querstollen verbunden, von denen einer zum kleinen unterkellerten Wachhaus vor der Garnisonsbäckerei führend unterhalb der Mitte des Stadtarchiv-Magazinbaus angelegt war. Diese Stollen wurden nach und nach undicht, es kam zu Kavernenbildungen oberhalb derselben im Erdreich, was schließlich in einem im Bergbau wohlbekannten Tagesbruch mit einhergehender Pingenbildung endete.
Sollte sich diese Hypothese bestätigen, so könnte gar das Gebäude der Kölner Bezirksregierung gefährdet sein, denn unmittelbar gegenüber – zwischen Zeughausstraße und Burgmauer – bricht momentan eine alte Römermauer weg. Zitat: [...]
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Anwort der Staatsanwaltschaft Köln vom 12.06.2009: Staatsanwaltschaft Köln
Antwort des Berufsverbandes Information Bibliothek e.V., Landesgruppe NRW: BIB